Lernen und lernen zulassen

Ich lehre und ich lerne. Beides mit Begeisterung, viel Schwung und großem Einsatz. Meine Situation ist glücklich: Lehren ist mein Job und ich muss niemanden fragen, ob ich lernen darf und wie ich lernen soll.
Als Trainerin frage ich mich zunehmend, wie ich meinen Auftrag erfüllen kann. Im Büro wird heute erwartet, dass ein Mitarbeiter “Office perfekt beherrscht”. Parallel dazu herrscht die Meinung vor, dass heute die Mitarbeiter “Office sowieso beherrschen”.

Das bedeutet, dass die Anforderungen ins Unrealistische abgeglitten sind und der Schulungsaufwand zurückgefahren wird. Office-2010-Einführung? Das machen wir doch ohne Schulung, kann ja sowieso jeder … Ein Hoch auf den Dilettantismus!

Interessant ist für mich das Gespräch mit den Chefs*: sie sind in der Regel am PC absolute Nieten. Ein böses Wort? Ja, das gebe ich zu. Aber ich kann das nicht anders formulieren. Ich erwarte ja nicht, dass ein Chef ein PC-Freak ist – er sollte bloß nicht so tun, als sei PC-Wissen so entsetzlich selbstverständlich. Warum sind sie dann selber nicht perfekt in Word/Excel/Powerpoint/Outlook, wenn das alles selbsterklärend ist?

Ich sehe mit  Staunen, dass jemand, der vier Stunden für eine grausliche Präsentation braucht, nicht den Schluss zieht, dass man das lernen muss. Wenn ich an mir selber erfahre, wie sehr ich mich abmühen muss für ein absolut indiskutables Ergebnis – ja, dann weiß ich doch, wie wichtig das gründliche Lernen ist.

Es wird auch komplett ignoriert, dass Lernen das Einüben von Routine ist. Ich frage mich, ob eigentlich keiner von den Entscheidern einen Führerschein hat. Autofahren lernt man nicht an einem halben Tag, sondern durch viele mühsame Fahrstunden und ganz viel Übung. Ich fahre nicht Auto und weiß deswegen sehr genau, wie schnell man das Fahrschulwissen auch wieder verlernt, wenn man es gar nicht anwendet.

Ist so. Ich habe mich (leider) damit abgefunden und versuche, den Schaden zu begrenzen. Mittlerweile gehe ich jeden nur denkbaren Weg, um Wissen ins Büro zu bringen. Präsenzseminare, Online-Schulung, Webinare, Wikis, Facebook, Google+ … im Übrigen: nicht jeder dieser Wege wird mir bezahlt. Woraus man auch gerne den Schluss ziehen darf, dass es nicht nur um meinen Verdienst geht.

Wo geht die Reise hin? Mein Trainingswunsch treibt mich augenblicklich in die Richtung SocialMedia. Ich sehe das als tolle Chance, die Präsenzseminare nachzubereiten und zu unterstützen. Allerdings komme ich hier in das Dilemma, dass ich damit nur eine technisch interessierte Schicht erreiche. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf 😉

*Ein Nachsatz ist mir noch wichtig: Ich lehne Schulungsaufträge ab, bei denen es nicht um Ausbildung der Mitarbeiter geht. Einmal-Einweisungen ohne Einbettung in ein Ausbildungskonzept haben nur eine Feigenblattfunktion – ich meide solche Veranstaltungen. Wenn ich also harsche Worte über Chefs finde, sind damit mit wenigen Ausnahmen “Wurde-kein-Kunde-Chefs” gemeint.

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