Superuser – Praxisbeispiel Teil 2

Arbeitsbögen

Wie kann ein “selbstentdeckendes Lernen” organisiert werden? Das Problem ist, dass die Teilnehmer einen bestimmten Wissensgrundstock erarbeiten müssen – würde ich die Teilnehmer ohne Anleitung einfach “loslegen” lassen, wäre das Ergebnis sehr zufällig.

Aus diesem Grund habe ich die Themen, die unbedingt erarbeitet werden müssen, in Form von Fragen formuliert und an die Gruppen gegeben. Ein Beispiel für so einen Arbeitsbogen sehen Sie hier:

Das Thema ist das Speichern von Dokumenten in einem Dokument Managementsystem. Ziel ist, dass die Teilnehmer lernen, in Akten zu speichern, die sie sich nicht vorher verknüpft haben.

  • Der Arbeitsbogen gibt im Kopfbereich das Thema in einem Satz an.
  • Es folgt eine Angabe, ob die Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit gefragt ist.
  • Dann gebe ich an, was benötigt wird: es soll mit Word gearbeitet werden, die Ergebnisse werden auf Klebezettel geschrieben.
  • Zum Schluss wird eine konkrete Zeitvorgabe gemacht – hier drei Minuten.

Die Aufgaben sind Schritte untergliedert, in der Spalte “Ihre Bemerkungen” schreiben die Teilnehmer Ihre Anmerkungen, Kommentare und Lösungsvorschläge.

Ausgedruckt wurden die Arbeitsbögen auf farbiges Papier. Das Ausfüllen erfolgte mit viel Akribie!

Erarbeiten in Gruppenarbeit

Die Gruppenarbeit stellt anfangs meistens eine Hürde dar. Es ist deswegen wichtig, dass die Gruppen am Anfang viele Erfolgserlebnisse haben und die Zusammenarbeit absolut nötig ist. Beispielsweise eignet sich eine Aufgabe folgenden Stils dazu:
  • Arbeiten Sie zu Dritt an drei PCs.
  • Starten Sie an einem PC Word, am zweiten Powerpoint, am dritten Excel.
  • Markieren Sie in allen drei Programmen einen Teil und vergleichen Sie die Minisymbolleisten miteinander.
Damit müssen sich die Dreiergruppen zuerst einmal abstimmen, wer welches Programm startet. Das ergibt das erste zaghafte Gespräch. In der Regel ergibt sich hier bereits die Arbeitsteilung, wer schreibt, wer diktiert.
 
Einzelarbeit muss allerdings auch sein. Hier ist es wichtig, dass die Zeit ausgewogen ist. Nicht zu lang – dann langweilen sich die ganz Fixen. Nicht zu kurz – dann ist Frust angesagt.

Die Rolle des Trainers

Ich führe die Aufgabenstellung ein – eine kurze Erklärung und eventuell das Vorlesen der Fragen. Meine Rolle ist unterschiedlich stark führend. In der ersten Stunde führe ich jede Gruppe sehr aktiv durch die ersten zwei oder drei Aufgabenbögen. Ich erkläre sehr genau, wie ich mir die Arbeit vorstelle, wie die Zusammenarbeit ablaufen soll – oft ist es nötig, die Teilnehmer ausdrücklich zum Miteinander-Reden aufzufordern.
Während die Gruppen arbeiten bin ich der “Joker”. Jeder darf mich fragen, jede Gruppe darf mich dazuholen. Aber ich erkläre dann leise für die Gruppe. Ich bleibe während dieser Zeit nicht vorne am Dozentenpult stehen, sondern wandere durch den Raum.
Merke ich, dass alle Gruppen an der gleichen Stelle hängenbleiben, gehe ich wieder nach vorne und erkläre den schwierigen oder strittigen Punkt für alle.
Meine Aufgabe ist die Kontrolle der Zeit – nach der vorgegebenen Zeit gehe ich langsam wieder nach vorne und kündige damit das baldige Ende der Aufgabe an. Meist reicht das, hin und wieder muss ich aber auch die Aufgabe ausdrücklich beenden.
Dann fordere ich die Gruppen auf, ihre Ergebnisse zu erzählen. Bei den ersten Aufgaben ist das nur mit viel Hilfestellung möglich, aber im Laufe eines Tages wird das Präsentieren eine Selbstverständlichkeit. Ich fasse dann zusammen, korrigiere eventuell und schreibe das  Ergebnis an die Flipchart.

Verschiedene Fragen

Es macht den Teilnehmern Spaß, wenn die Bögen unterschiedliche Fragestellungen haben. Neben den Arbeitsbögen mit Anweisungen eignen sich Zuordnungsaufgaben. Hier werden Befehle den Screenshots zugeordnet.
Mein Ziel ist es immer, den Teilnehmern beizubringen, wie sich selber Themen erarbeiten können. Ich habe darum immer sehr viele Fragen, die die Teilnehmer durch Hinschauen oder ein klein wenig ausprobieren selber lösen können. Gut geeignet sich beispielsweise Fragen, die sich über die Quicktipps lösen lassen:

Erklären üben

Meine Gruppen hatten als Lernziel auch, dass sie die Themen später erklären müssen. Ich bilde Superuser aus, die neue Mitarbeiter einweisen müssen oder in einem Rollout-Projekt an der Hotline sitzen. Es musste also geübt werden, die Themen zu erklären.
Dabei hat sich bewährt, leicht abgewandelte Aufgaben zu einem Thema an zwei oder drei Gruppen zu stellen. Anschließend muss jede Gruppe ihre Ergebnisse den anderen erklären.
Beispielsweise diese beiden Aufgaben zum Vergleichen von Dokumenten mit Änderungskennungen in  Word:
  • Gruppe 1: Verwenden Sie den Befehl “Vergleichen / Vergleichen”. Schreiben Sie die Meldung auf, die Word Ihnen gibt – was bedeutet diese Meldung? Was passiert mit den vorhandenen Änderungskennungen? Welches Ergebnis erhalten Sie? Bereiten Sie eine Flipchart-Grafik vor, um der anderen Gruppe zu erklären, wie das Vergleichen funktioniert.
  • Gruppe 2: Verwenden Sie den Befehl “Vergleichen / Kombinieren”. Wie werden die vorhandenen Änderungskennungen aus beiden Dokumenten dargestellt? Bereiten Sie eine Flipchart-Grafik vor, um der anderen Gruppe zu erklären, wie das Kombinieren funktioniert. 

Tipps

  • Verwenden Sie farbiges Papier für die Ausdrucke. Ähnliche Aufgaben stehen immer auf gleichfarbigem Papier – gelb für Anweisungen, blau für Quiz etc.
  • Die Aufgaben müssen klare Anweisungen beinhalten
    • Fragestellung oder Thema – maximal zwei Sätze
    • Gruppengröße: alleine, zu zweit, zu dritt
    • Programm/Material: was braucht man zur Lösung der Aufgabe?
    • Zeit: wann wird die Aufgabe abgebrochen?
  • Verwenden Sie unterschiedliche Formen: Aufgaben in Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Zuordnungsaufgaben, Ergänzungsaufgaben, Markieren in Screenshots, Quiz.
  • Achten Sie darauf, dass die Ergebnisse tatsächlich aufgeschrieben werden. Animieren Sie zum Auf- und Abschreiben!
  • Sorgen Sie am Ende jeder Aufgabe dafür, dass das korrekte Ergebnis festgehalten wird – am besten durch einen Flipchart-Anschrieb.

Beim nächsten Mal schreibe ich darüber, wie Superuser über das reine Programmwissen hinaus erlernen können, ihr Wissen weiterzugeben.

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