Superuser – Praxisbeispiel Teil 3

Erklären lernen – Zielsetzung

Zielsetzung war neben dem Wissenserwerb ganz klar, dass die Superuser ihr Wissen weitergeben können. Ihre Unterstützung am Standort während des Rollouts und kurz danach war ein wichtiger Bestandteil des gesamten Rollout-Planes.

Die Teilnehmerinnen waren allesamt ohne eigene Trainingserfahrung – keine hatte bislang selber Unterricht gemacht. Für mich war es darum wichtig, dass wir auch das Präsentieren und Erklären üben. In einer Woche war das naturgemäß nur ansatzweise möglich.

Trotzdem gab es jeden Tag Übungen dazu. Zu jedem Thema musste eine Gruppe das Ergebnis vortragen: Ran an die Flipchart und erklären.

Präsentationsaufgaben

Ich schreibe die Präsentationsaufgabe immer auf rote Blätter – pro Lernthema hat nur eine Gruppe einen roten Zettel bekommen. Damit war sichergestellt, dass wir nicht ständig nur mit Präsentieren beschäftigt sind. Jede Präsentation hat nicht länger als 10 Minuten gedauert.

Die Anleitung für die Präsentationsaufgabe war ausführlich – beispielsweise ging es bei einem Dokument Management um den Versand von Dokumenten per Mail. Die Gruppe sollte die Ergebnisse zusammenfassen, alle relevanten Wege aufzeigen und auch erklären, wann welcher Weg sinnvoll ist.

An der Flipchart

Ich habe die Präsentationsgruppen bei der Vorbereitung unterstützt und bin die Antworten mit ihnen durchgegangen. An der Flipchart musste ich nur am ersten Tag präsent sein, dann hat die Gruppendynamik gegriffen und wie man sieht, hat den Teilnehmerinnen schnell viel Freude gemacht:
Die Teilnehmer haben durch die unmittelbaren Rückfragen der anderen Teilnehmer schnell erfahren, wenn sie unklar formuliert haben oder Wissen vorausgesetzt haben, das die anderen nicht hatten. Anfangs gibt es viele Formulierungen wie “man muss hier klicken” oder “man muss das öffnen” – die Nachfragen “Wo muss man klicken?” und “Was soll ich öffnen?” kamen prompt.
Genauso haben die Teilnehmer schnell gelernt, dass sie eine Balance finden müssen zwischen dem Fachvokabular der Anwendung und dem eigenen Bedürfnis, den Dingen sprechende und verständliche Namen zu geben. Im Gespräch haben die vier Gruppen auch eigenständig angefangen, Bezeichnungen untereinander abzugleichen. Zum Schluss haben die Teilnehmer eine “Vokabelliste” für die wichtigsten Fachbegriffe und ihre deutschen Entsprechungen erarbeitet.

Erklären für den Chef

Als Problem war vorauszusehen, dass die Teilnehmerinnen sich nur mit großer Scheu vor Vorgesetzten äußern werden. Das Gefälle zwischen Sekretärin und Chef ist in dieser Firma ungewöhnlich groß und es gibt viele künstliche Barrieren.
Ich habe darum jeden Abend “ungefährliche” Chefs zum Zuhören gebeten. Es boten sich zwei Vorgesetzte an, die das Projekt begleitet haben. Einer oder beide waren deswegen zum abendlichen Abschlussvortrag dabei. Deren positive Reaktion  hat viel dazu beigetragen, dass die Scheu abgebaut wurde, vor einem Chef zu reden.

Voraussetzungen

Damit das Präsentieren klappt, sind folgende Voraussetzungen zu schaffen:
  • Anweisungen müssen klar strukturiert sein und dem Vortrag ein natürliches Gerüst geben. Anweisungen in Frageform sind am günstigsten.
  • Im Raum müssen mindestens zwei Flipcharts so stehen, dass kein “nach vorne kommen” notwendig ist.
  • Sorgen Sie für genug dicke Stifte und bauen Sie auf den Spieltrieb: viele Farben, Klebepfeile, Markerstifte etc.
  • Helfen Sie am ersten Tag den Gruppen dabei, den Flipchart-Anschrieb zu gestalten.
  • Sobald Sie merken, dass die Gruppe steckenbleibt, helfen Sie mit kleinen Fragen weiter.
  • Stellen Sie als Dozent sicher, dass die anderen Teilnehmer zuhören.
  • Falls Sie mit Antworten aushelfen müssen, weil die Gruppe das nicht kann, stellen Sie sich zu der Gruppe. Demonstrieren Sie, dass Sie jetzt Bestandteil der Gruppe sind.

Erst wenn der Flipchart-Vortrag klappt, sollten die Gruppen die erste Präsentation mit Laptop und Beamer machen.

Das Ziel der Vortragsübungen muss dem Dozenten klar vor Augen stehen. Es geht nur sekundär darum, dass Fachwissen zu einem Thema präsentiert wird.
  • Die Teilnehmer sollen lernen, in der richtigen Reihenfolge zu erklären.
  • Sie müssen sich über die Begriffe klar werden, die sie beim Erklären verwenden.
  • Sie sollen erfahren, dass man nie alles erklären kann und sich auf Wesentliches und Wichtiges beschränken muss.

Weitere Übungen

Parallel zu den Vortragsübungen helfen dabei auch andere Übungen.
  • Befehle in die richtige Reihenfolge bringen: schreiben Sie für eine Handlung die Befehle einzeln auf Kärtchen, mischen Sie sie und lassen sie die Karten in die korrekte Reihenfolge bringen.
  • Beschriften: Drucken Sie Bildschirme auf A3 und lassen Sie die Elemente beschriften.
  • Hotline simulieren: Ein Teilnehmer erhält die Beschreibung der Problemstellung und wendet sich damit an den Teilnehmer, der Hotline ist. Der muss das Problem lösen und erklären.
 


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